14.000!

Nur eine kurze Zwischenmeldung – mein Blog hat die 14.000-Besuchergrenze geknackt, und es gibt eine schöne Blog-Reaktion auf meine Kondorkinder-Ankündigung, nämlich von der lieben Autorenkollegin Tanja Rast. Der sympathische Herr, der dort mit mir auf dem Bild zu sehen ist, heißt Zwiebel und ist ein Alpaka, das seit der Leipziger Buchmesse bei mir wohnt. Und was es mit Zwiebel und seinem schier unermesslichen Ego auf sich hat … das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden!

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Die Kondorkinder haben ein Nest gefunden

Als ich im November 2009 die ersten Worte in ein leeres Word-Dokument tippte, hatte ich keine Ahnung, was daraus werden würde – außer meinem persönlichen Versuch, ins Schreiben zurückzukommen.

Ein Jahr später – im November 2010 – waren aus einer Handvoll Dollar Wörter mehrere hundert Seiten geworden, aus einer vagen Idee ein kompletter Roman mit zwei verwobenen Handlungssträngen, und als ich tatsächlich das Wort »Ende« darunter schreiben konnte, wusste ich, dass ich das Schreiben wieder hatte. Oder das Schreiben mich. Wie auch immer.

Seither habe ich meine »Kondorkinder« mehrmals überarbeitet – auch dank unendlich wertvoller Hinweise von meinen Betalesern -, und ich habe natürlich ein bisschen vor mich hingeträumt, wie das wohl alle Autoren machen. Unter anderem habe ich mir immer vorgestellt, wie schön es wäre, eines Tages genau diesen Blogeintrag schreiben zu dürfen.

Und nun darf ich das tatsächlich. Denn die »Kondorkinder« haben ein Nest gefunden – mit anderen Worten eine Verlagsheimat, über die ich sehr, sehr glücklich bin.

Voraussichtlich im Frühjahr 2013 werden sie nämlich im Verlag Mondwolf erscheinen – ein österreichischer Kleinverlag, der wunderschön und liebevoll gestaltete Bücher herausbringt. Ich habe bereits das Glück, mit einer Geschichte in der »Berggeister«-Anthologie des Verlags vertreten zu sein (zusammen mit lieben Autorenkolleginnen wie Petra Schmidt und Tanja Rast).

Tja, und während ich hier im Blog das Lama aus dem Sack lasse, bekomme ich wieder Magenkribbeln und Dauergrinsen. Mein erstes Roman-Baby! Bis zur Veröffentlichung steht natürlich noch einiges an Arbeit und Glattschleifen an. Aber ein bisschen Zeit ist noch, also entkorke ich eine virtuelle Sektflasche und lasse Gläser für alle da. Ihr stoßt doch mit an? ¡Salud!

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Conga No Va

»Sie sagen, das Wasser wird unser Leben verändern«, steht in leuchtend blauen Buchstaben auf dem Transparent. »Das stimmt: Mit Zyanid, Arsen, Quecksilber …«

Das Transparent gehört einem Demonstranten, der gestern – am 11. April 2012 – am paro regional in der nordperuanischen Region Cajamarca teilgenommen hat. Der Streik dauerte 24 Stunden an, verlief friedlich und brachte eine große Zahl an Teilnehmern auf die Straßen. Die Umweltorganisation »Movimiento Tierra y Libertad« berichtete dazu auf Facebook: »In Celendín ist der Stillstand vollkommen!«

Wie eingangs schon erwähnt geht es bei den Protesten um Wasser, und es ist längst nicht das erste Mal.

»Conga no va« hört und liest man immer wieder, sobald man sich mit den Geschehnissen von Cajamarca beschäftigt. Conga, das ist ein neues Projekt der umstrittenen Minengesellschaft Yanacocha, gegen die Initiativen wie »Tierra y Libertad« unter Führung des Paters Marco Arana schon seit Jahren mobil machen, weil die Realität leider anders aussieht als die Beteuerungen Yanacochas, dass man ganz umweltfreundlichen Bergbau betreibe.

»Conga no va« lässt sich in etwa übersetzen mit »Conga klappt nicht, Conga haut nicht hin«. Worum geht es bei diesem Projekt?

Yanacocha möchte konkret gesagt mehrere Bergseen trockenlegen, da sich darunter Gold- und Kupfervorkommen befinden. Um die Bergseen zu ersetzen, sollen mehrere Reservoirs angelegt werden. Die Befürworter des Projekts Conga argumentieren, dass durch die Reservoirs wesentlich mehr Wasser zur Verfügung stehen würde als durch die Bergseen (3,2 Millionen Kubikmeter statt wie bisher rund 1,4 Millionen Kubikmeter). Außerdem werde das Wasser ganzjährig zu Verfügung stehen, während es bei den Seen jahreszeitlich bedingte Schwankungen gebe. (Bei der Tageszeitung La República gibt es hier eine Karte und Infografik.)

Aus der Sicht von Yanacocha also eine Win-Win-Situation: Die Anwohner der Region – allein 2.000 Menschen leben in der direkten Umgebung des geplanten Projekts – bekommen mehr Wasser, und die Minengesellschaft bekommt die begehrten Edelmetalle. Yanacocha winkt dafür sogar mit einem »Estudio de Impacto Ambiental« (EIA), einer Studie über die möglichen Umwelteinflüsse des Projekts: Es sei nichts zu befürchten. Auch auf der Website »El agua primero, la mina después« (Erst das Wasser, dann die Mine) versucht sich Yanacocha an einer Selbstpräsentation als umweltbewusstes und nachhaltig denkendes Unternehmen.

Doch die Bevölkerung von Cajamarca sieht das anders. In ihrer Argumentation geht es auch nicht um einfache Zahlen, wie viel Wasser wann zur Verfügung steht. Es geht auch um den Erhalt eines Ökosystems. Die betroffenen Bergseen – Azul, Chica, Perol und  Mala – sind nicht isoliert zu sehen, sondern von ihnen hängt z.B. auch eine Vielzahl von Quellen und bofedales (Feuchtgebieten) ab. Eine Trockenlegung würde sich auch auf 682 Quellen auswirken – ein Ingenieur Yanacochas behauptet allerdings, die Zahl sei wesentlich geringer.

Die Cajamarquinos befürchten jedenfalls das Schlimmste für das Ökosystem, in dessen Funktionieren Yanacocha so massiv eingreifen würde. Auch die Landwirtschaft der Region wäre davon betroffen. Neunzehn Jahre soll das Projekt Conga laufen – und dann?

Hinter den Protesten steht auch noch mehr: die nicht unbegründete Angst vor verseuchtem Trinkwasser, wenn Abfälle und Schwermetalle von Yanacocha nicht umweltgerecht entsorgt werden. Aus der Luft gegriffen ist diese Befürchtung nicht. Und dann sind da noch die Zweifel am Umweltgutachten (EIA) für das Projekt, weil dieses, so Kritiker, von einem ehemaligen hochrangigen Funktionär Yanacochas durchgewinkt wurde.

Schon im Februar machte die Bevölkerung der Region mobil, es gab einen großen Protestmarsch bis nach Lima – und nach Ansicht der Teilnehmer viel zu wenig mediales Echo. Carlín, Karikaturist der Tageszeitung »La República«, würdigte das am 12. Februar mit dem besonders bissigen Bild zweier Nachrichtensprecherinnen: »… und hiermit beenden wir diese Nachrichtensendung, ohne auch nur ein Wort über den Protestmarsch zu verlieren. Ganz wie zu Fujimoris Zeiten.«

Heute wird ein internationales Gutachten zum Projekt Conga erwartet. Sollte das zugunsten Yanacochas ausfallen, werden die Proteste weitergehen. Viele Anwohner und Bauern wollen dann zu den Bergseen gehen und dort ausharren, um den Beginn der Arbeiten zu verhindern.

In Trujillo und Arequipa kam es zu Solidaritätsbekundungen mit den Protestierenden von Cajamarca. Nicht von ungefähr, denn gerade in Arequipa sind Bergbau und seine Auswirkungen auf die Umwelt ein brandaktuelles Thema.

Quellen und weiterführende Links

¿Qué es el proyecto Conga? (spanisch)
Video: Impressionen vom 11. April 2012
Rückblick, Februar 2012: Protestmarsch zum Schutz der Wasserressourcen steht vor Lima (Infoamazonas, deutsch)
La República, 20. November 2011: “Conga dice que con reservorios habrá más agua” (spanisch)
La República, 12. April 2011: “Paro en región Cajamarca se desarrolló de forma pacífica
La República, 12. April 2011: “Se solidarizan en rechazo a ‘Conga‘” (spanisch)

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Frühjahrsputz auf der Website

So, ich war das erste Mal in meinem Leben auf der Leipziger Buchmesse. Und inspiriert von so viel Büchern und Literatur habe ich auch auf meiner Seite hier ein wenig die Schreibecke aufgeräumt.

Die Rubrik Romane ist jetzt übersichtlicher gestaltet, die Projekte sind nach abgeschlossenen, laufenden und geplanten unterteilt, und Kurzromane haben nun einen eigenen Unterpunkt. Außerdem steht nun hinter jedem Romantitel das Setting, sodass gleich klar wird, ob die Geschichte in Perú, in Mexiko oder sonstwo spielt. Außerdem gibt es Links zu neuen Projekten – der abgeschlossene Kurzroman Antayawar, der in Arbeit befindliche Tango #3055 und als Zukunftsmusik den Ausblick auf Rufus II (den es noch nach einem kreativeren Arbeitstitel gelüstet).

Auch an der Kurzgeschichtenseite habe ich ein wenig geschraubt. Hier gibt’s nun endlich auch die Links zu den Verlagen, bei denen die Anthologien erschienen sind. Die Bücher können bei den Verlagen selbst, aber auch z.B. über Amazon bestellt werden.

Trauriger Verlierer des Frühlingsputzes ist die gesamte Sektion um Artikel und News zu Perú. Aber das Frühjahr ist ja noch lang, und ich habe so viele Ideen …

[EDIT] Mein Blog hat die 13.000-Besuchergrenze geknackt! Wahnsinn!

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Rufus rules!

Wer meinen Blog schon seit letztem November verfolgt, der wird sich an Rufus erinnern – mein gelinde gesagt äußerst selbstbewusster Kojote, seines Zeichens Trickster, Feuerdieb und Held des Romans, den ich im NaNoWriMo verfasst habe.

Rufus ist ja nun von jeher mit einem Ego versorgt, mit dem man ganze Fantasywelten versorgen könnte. Ende Januar passierte etwas, das dieses Ego noch einmal wahrhaft explodieren ließ: Die Mitglieder des Tintenzirkels wählten Rufus zum “Mister NaNoWriMo 2011″. Ein Titel, der für besondere Coolness verliehen wird. Obwohl Rufus steif und fest behauptete, er habe ja von Anfang an gewusst, dass er gewinnen werde, hat er sich fast noch mehr als ich über diese Auszeichnung gefreut.

Und nun ist plötzlich noch eine Gewinnerüberraschung eingetroffen, ausgeheckt von der lieben Kamen aus dem Tintenzirkel. So sah sie von außen aus:

Was mag da wohl drin sein?

NaNo inside!

Beigefügt war dann noch eine Botschaft:

Zuerst lesen!

In dem Umschlag war eine wunderschöne Kleiner-Prinz-Karte, und schon beim Lesen musste ich schmunzeln:

Liebe Sabrina!
Ich konnte ihn nicht ignorieren, als er mich ansprang und brüllte: “Ich bin ein Star, hol mich hier raus!”
Und dann sagte er: “Gib mir meine Schärpe und schick mich zu Malinche!”
So I did …

Aber natürlich konnte ich mir nicht vorstellen, dass sich unter diesem pinkfarbenen Papier …

Was ist hier verhüllt?

… ein echter Rufus befinden sollte. Oder etwa doch?

Ich schlug das Papier zurück und da sprang er mir entgegen:

Mr Nanowrimo 2011

Mein Kreischen dürfte man durch ganz Deutschland gehört haben (oder nicht, Kamen?), und nachdem ich mich von meinem Lachflash erholt hatte, konnte ich den Kleinen tatsächlich aus dem Karton heben und ein paar Fotos machen. Ich meine, hey, das ist ein Rufus. Er ist der geborene Poser. Dem tun auch die Windeln keinen Abbruch:

Poser-Rufus von vorne

Ein schöner Rücken ...

Ich bin hin und weg und total platt, weil ich mit sowas nicht im Traum gerechnet habe! Tausend Dank für diese süße Überraschung. Ich bin sehr sicher, dass Rufus’ Ego langsam an die Grenzen unserer Galaxie stößt. In diesem Fall gilt wohl tatsächlich:
Bis zur Unendlichkeit … und noch viel weiter!

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Walle, walle manche Strecke, dass zum Zwecke Wasser fließe …

Februar ist Regenzeit.

In Arequipa war darauf in der Vergangenheit nicht in allen Jahren Verlass. Als ich 2010 meine Semesterferien in der Weißen Stadt verbrachte, hatte ich strahlenden Sonnenschein, schlimmstenfalls ein paar Wölkchen am Nachmittag – für mich aus der deutschen Kälte Kommende natürlich herrlich, für die Landwirte eher bedenklich. Die Staudämme sollten in jenem Jahr wohl nicht einmal zur Hälfte gefüllt sein. Und 2011 erlebte Arequipa zwar sintflutartige Regenfälle, aber die hörten auf, als ich – pünktlich zu den carnavales – in der Stadt eintraf.

Das Klima wandelt sich, der Regen kommt nicht mehr mit der gleichen Verlässlichkeit wie früher. Noch 2008, als ich in Arequipa studierte, erlebte ich ein relativ normales Regenjahr. Normal hieß: Am frühen Nachmittag begann es in Strömen zu gießen. Doof für mich, denn ich musste genau dann in die Uni, und das hieß: Zu Fuß den Berg hoch und den Wassermassen entgegen.

Das Resultat war dann immer, dass ich mit nassen Füßen und tropfenden Hosenbeinen in der Uni ankam (»Oh, du bist wohl auf den Knien hergerutscht?«, sagten meine herzlosen Kommilitonen, die schon seit dem regenfreien Morgen im sicheren Klassenzimmer saßen). Irgendwann machte ich kurzen Prozess und kaufte mir Gummistiefel. Wunderschöne tiefblaue.

Als so ziemlich einzige gringa, die an der Universität unterwegs war, hatte ich ja sowieso immer jede Menge neugierige Blicke im Rücken. Die verdoppelten sich, seitdem ich als »die gestiefelte gringa« auftauchte. Tatsächlich trug niemand Gummistiefel – die sind nichts für anständige Städter, die etwas auf sich halten, sondern bestenfalls etwas für Bauern, die auf dem Feld herumstiefeln (eben). Nun ja, und für gringas, denen einheimische Modekonventionen egal sind, wenn es darum geht, trockenen Fußes die Fakultät zu erreichen.

Den bizarren Höhepunkt erreichte die Gummistiefelaffäre, als ich mich im Büro eines Dozenten einfinden musste, um eine vorgezogene Prüfung zu schreiben. Ich studentisches Nervenbündel wurde dann begrüßt mit: »Oh, Sabrina! Was hast du für wunderschöne blaue Gummistiefel! Wo hast du die gekauft?« Auch die Sekretärin wurde sofort angehalten, einen Blick auf dieses Wunder der Schuhwelt zu werfen. Es war kein Funken Ironie in diesen Sätzen, ich schwöre es.

Ich liebte meine blauen Gummistiefel. Sie sind noch immer irgendwo da drüben und warten auf mich.
Und würden mir dieses Jahr vermutlich herzlich wenig nützen.

Die Regenfälle fallen in dieser Saison besonders heftig aus – in ganz Perú. Infoamazonas gibt einen guten Überblick darüber, wie die Lage in den verschiedenen Landesteilen ist. Bei RPP wurde zu Arequipa bis vorgestern nur gemeldet, dass es im Colca-Tal Erdrutsche gegeben hat und einige Dörfer (in denen ich schon überall war …) von der Außenwelt abgeschnitten waren. Jetzt habe ich hier Fotos gefunden, die Bilder aus der Stadt selbst zeigen. Der kapriziöse Río Chili ist wohl gerade kein Fluss, an dessen Ufern man entlangschlendern möchte, und die Straßen, die da unter Wasser stehen, sind unter anderem auch in Cayma – dem Viertel, in dem ich gewohnt habe.

Immerhin, Menschen sind in Arequipa nicht zu Schaden gekommen, soweit ich die Nachrichtenlage überblicke. Trotzdem machen einen solche Meldungen natürlich nervös. Und mir wird gerade klar, dass dies seit 2008 der erste Februar ist, den ich nicht in Arequipa verbringe. Ob’s daran liegt?

[EDIT] Hier geht es zu einem Überblick der RPP-Meldungen rund um die Hochwasserschäden. In Arequipa ist tatsächlich für 30 Tage der Notstand ausgerufen worden.

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Es gibt so Tage

Es gibt so Tage.

Heute ist Freitag der 13. – für mich immer ein Glückstag. Während ich das hier schreibe, ist es dreiviertel sechs am Morgen, und ich brühe mir gerade eine Tasse Kaffee – schön stark, weil ich nämlich die ganze Nacht kein Auge zugetan habe. Ich bin todmüde, habe Kopfschmerzen und werde wahrscheinlich nicht zu meinem Seminar gehen, weil das in diesem Zustand keinen Sinn hat.
Aber ich bin zufrieden. Ich glaube, ich bin sogar glücklich. Ich habe nämlich eine Entscheidung getroffen, die verrückt genug ist, um sich gut anzufühlen.

Eigentlich hat alles damit angefangen, dass ich über die Zukunft nachgedacht habe. Wenn man so kurz vor dem Studienabschluss steht, ist das wahrscheinlich normal. Und gleichzeitig habe ich über meine Gegenwart nachgedacht und über meine Vergangenheit – ob die Entscheidungen, die ich getroffen habe, sich im Nachhinein immer richtig anfühlen.

Ich bin wieder einmal am Tag meiner letzten Abiprüfung angekommen, der Tag, an dem mir der Boden unter den Füßen weggezogen wurde. Ich kam nach der Prüfung nach Hause, und mein Vater rief an und sagte: »Guck mal auf der Uni-Homepage. Man kann Altamerikanistik nicht mehr studieren.«

Altamerikanistik war der Studiengang, den irgendjemand da draußen speziell für mich erfunden hat. Zumindest kam es mir so vor, als ich mit fünfzehn die Beschreibung las. Es war wirklich ein Gefühl von: Wow, da hat jemand alles genommen, was mich interessiert – Geschichte, Ethnologie, Archäologie, Sprachen Lateinamerikas, alles aus der indigenen Perspektive – und hat es in einen Studiengang gepackt. Meins.

Und dann kam die Bologna-Reform. In genau dem Jahr, in dem ich Abi gemacht habe. Alle Leute gratulierten mir zu meiner tollen Note: »Damit kannst du alles machen, was du willst!« Während ich die Tränen runterkämpfen musste und dachte: Nein. Eben nicht. Weil es meinen Studiengang nicht mehr gibt. Weil das ein kleiner Magister ist, zu dem es kein Bachelor-Äquivalent gibt.

Am Ende bin ich in der Kulturanthropologie gelandet und glücklich dort geworden, weil ich nicht einfach eine akademische Disziplin, sondern eine Lebensphilosophie fand: Wir neigen dazu, unseren eigenen Standpunkt als selbstverständlich anzunehmen, unsere Werte und Prinzipien als naturgegeben und universell. Aber das sind sie nicht. Das Andere, das, was uns fremd erscheint, ist nicht unverständlich, bösartig, zurückgeblieben oder falsch. Es kommt nur darauf an, das Denken, die Logik dahinter zu verstehen. Was man daraus macht, ist eine andere Sache. Aber diese banal anmutende Erkenntnis war für mich der Kern meines Fachs und ein wesentlicher Grund, warum ich das Gefühl hatte, dass dieser Bachelor für mich richtig war, wenn auch auf andere Weise als Altamerikanistik.

Und dann der Jubelschrei, ich weiß nicht mehr wann: Es gibt einen Master Altamerikanistik. Einen MASTER. In Bonn. Ich mache den. Ich hatte wieder einen Traum: Ich gehe nach Bonn und studiere Altamerikanistik. Ich habe mich so sehr auf den Tag gefreut, an dem ich mich einschreibe und das zu mir sagen kann: Ich studiere Altamerikanistik. Weil es das ist, was ich wirklich machen möchte.

Soweit ist es nie gekommen. Ich bin in Berlin geblieben – weil es in Berlin keine Studiengebühren gab, weil Berlin Berlin ist, weil es hier das Iberoamerikanische Institut gibt und einen interdisziplinären Master. Das war keine Bauch-, das war eine Kopfentscheidung. Und sie war nicht ganz falsch. Es war in vielerlei Hinsicht richtig, dass ich in Berlin geblieben bin.

Aber es war falsch, einen Master zu studieren, gegen den mein Bauchgefühl schon vor Studienbeginn wieder und wieder rebelliert hat.

Er hat auch sein Gutes gehabt. Sehr vieles sogar. Aber unterm Strich habe ich seit Studienbeginn einen Preis bezahlt: Dass es ein Studium ohne Begeisterung war. Es gab Momente des Enthusiasmus, wenn ein Seminar genau meinen Nerv traf – oder ein Text, ein Dozent. Aber dieses tiefgreifende Hey, hier bin ich richtig-Gefühl hatte ich zu keinem Zeitpunkt.

Jetzt schreibe ich an meiner Masterarbeit und bin quasi durch. Ich habe bis jetzt gebraucht, um festzustellen, dass mein kühles Verhältnis zu dem Studium nicht daher kommt, dass ich im ersten Semester soviel Zeit in meine ehrenamtliche Tätigkeit gesteckt habe oder im zweiten Semester soviel im Callcenter arbeiten musste. Es stimmt auch nicht einfach, dass mir die Freude am wissenschaftlichen Arbeit abhanden gekommen ist. Ich habe schlicht und ergreifend das falsche Studium gewählt.

Dann habe ich etwas getan, ohne groß nachzudenken: Ich ging auf die Seite der Uni Bonn. Ich las die Studienbeschreibung der Altamerikanistik und schaute mir das Vorlesungsverzeichnis an.

Und dann begann ich Rotz und Wasser zu heulen.

Weil da überall Sachen standen, die ich damals lernen wollte. Und die ich heute noch lernen will. Weil es in diesem Studiengang um Dinge geht, die mir das Herz höher schlagen lassen. Weil das meiner ist. Weil den irgendjemand für mich erfunden hat, weil ich jahrelang davon geträumt habe, mich dann davon verabschieden musste – danke, Bologna -, eine zweite Chance bekam und sie ausgeschlagen habe, weil es in jenem Moment das richtige war, sich für Berlin zu entscheiden. Und so richtig das war: Es war gegen den Traum.

Die Studiengebühren sind mittlerweile abgeschafft. Der Master läuft seit einigen Jahren, und die Studenten sind keine Versuchskaninchen mehr. Im Vorlesungsverzeichnis gibt es nun wesentlich mehr Veranstaltungen zum Andenraum als noch vor ein paar Jahren. Kurz: Fast alle Argumente, die ich damals gegen Bonn in der Hand hatte, gelten nicht mehr.

Es ist verrückt, aber es ist beschlossen: Wenn ich meinen Master hier in Berlin in der Tasche habe, dann gehe ich nach Bonn und mache noch einen. Das ziehe ich durch. Und wenn ich die Nächte durchkellnern muss, um mir das zu finanzieren. Aber ich werde aus dem Immatrikulationsbüro kommen und dem erstbesten Menschen auf der Straße erzählen: »Ich studiere Altamerikanistik.« Der arme Kerl wird nicht wissen, warum ich Rotz und Wasser heule. Ich stelle mir das vor – und es kribbelt in der Magengrube, so wie sich die verrückten Ideen anfühlen, die sich am Ende als die richtigen erweisen.

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Frohes Neues!

Und schon ist es beinahe Mitte Januar, und ich habe seit beinahe zwei Monaten nichts geschrieben. Nicht einmal einen Weihnachtsgruß oder einen Jahresrückblick gab es (und auch keinen Bericht zu dem Fußballspiel, in dem Aurich Meister geworden ist) …

Aber noch ist es ja nicht zu spät, um das Jahr 2011 Revue passieren zu lassen. Denn das möchte ich eigentlich schon sehr gerne tun. Zumindest auf persönlicher Ebene – auch wenn es, allein schon angesichts der Präsidentschaftswahlen, auch für Perú ein sehr interessantes Jahr war.

Potosí, Bolivia

Für mich war 2011 ein sehr positives Jahr in mehrfacher Hinsicht. Es war zunächst ein Jahr mit wunderbaren Reisen. In den Wintersemesterferien besuchte ich meine Freundin Alex in Montevideo, und ganz im Geiste der »Reise des jungen Che« tingelten wir quer durch Bolivien, erfüllten mir mit dem Besuch von Potosí einen ganz alten Traum und brachten schließlich die Sonne in mein geliebtes Arequipa mit. Damit wir dort mehr Zeit haben (und unser Geld in arequipeñische Küche anstatt in Touristenkram investieren), hat Alex sogar auf den Besuch von Machu Picchu verzichtet. Nach der Rückreise quer durch Bolivien gab es noch fünf Tage in Buenos Aires obendrauf.

Dass ich Alex Arequipa zeigen konnte, war der erste von mehreren Brückenschlägen im letzten Jahr. Der zweite kam im Sommer, als ich dank Forschungsexkursion wieder in Arequipa sein durfte und diesmal Si-yü für ein paar Tage dort auftauchte. So langsam bekomme ich es ja hin, meinen gesamten Freundeskreis in meine liebste Fruchtsaftbar der Weißen Stadt zu schleppen …

Und am Ende des Jahres gab es einen Brückenschlag in umgekehrter Richtung: Luz, eine sehr liebe Freundin aus Arequipa, die jetzt gerade in Madrid studiert, kam mich über Weihnachten und Neujahr besuchen. Das war Heimaturlaub für uns beide – mit Pisco Sour und Glühwein, peruanischem Essen und deutscher Weihnachtspute. Und ich konnte ihr Berlin zeigen, womit der interkulturelle Austausch wieder im Gleichgewicht wäre.

Und abgesehen von zweimal Südamerika gab es über das Jahr verteilt auch ein paar kleinere, sehr schöne Kurzreisen – Basel, Hamburg, Prag …

Ich bekam pünktlich zum Frühlingsanfang einen neuen Studentenjob bei mir am Institut, der mich natürlich besonders glücklich macht.

Oh, und im Oktober 2011 zogen meine beiden neuen Mitbewohner bei mir ein: Lolek und Bolek. (Bei ihrer Ankunft hießen sie Hansi und Bubi. Da ich das für Tierquälerei hielt, habe ich sie umbenannt. Sie scheinen sehr zufrieden mit den neuen Namen.)

Vor allem aber war 2011 ein großartiges Schreibjahr. Ich habe eine halbe Million Wörter an Romanen und Kurzgeschichten geschrieben. 2011 ist das Jahr, in dem das Schreiben wieder zu einem Teil meines Lebens geworden ist, und ich war schon lange nicht mehr so glücklich. Ich habe in diesem Jahr drei Romane geschrieben – einen davon in einem Monat (genauer gesagt in sechzehn Tagen – aber das war der November, und November ist immer Ausnahmezustand). Und es fühlt sich gut an, und die Ideen werden nicht weniger. Wenn ich für 2012 also einen Vorsatz habe, dann ist es Weiterschreiben – und diesen Vorsatz werde ich halten!

Was steht sonst in diesem Jahr auf dem Programm – um einmal nach vorne zu schauen?
In erster Linie eine Menge Fragezeichen. Ich werde meinen Masterabschluss machen und habe dann die Wahl zwischen Zukunftsangst, Taxifahrerschein oder Plan B – Q. Eine Reise nach Perú wird es wohl nicht geben, es sei denn, ein Wunder mit vielen Nullen macht sich auf meinem Bankkonto breit. Aber das Jahr ist jung, und ich lasse das einfach mal auf mich zukommen.

Ein frohes Neues euch allen!

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Mehr Blog, weniger Suite

Bisher habe ich auf dem Onlineportal Suite101 geschrieben und Artikel veröffentlicht. Dort wurde man an den Werbeeinnahmen beteiligt, die man mit seinen Berichten generierte. Viel ist das in meinem Fall nie gewesen, weil ich in den meisten Fällen keine klickstarken Themen für meine Artikel gewählt habe. Ich war (und bin es noch, glaube ich) bei Suite101 »Ständige Autorin« für »Politik und Gesellschaft in Lateinamerika« und habe versucht, regelmäßig vor allem über die Entwicklungen in Perú zu berichten, um sie auch für Leute zugänglich zu machen, die keinen Zugang (oder keine Zeit) für Medien und Nachrichten in der Landessprache haben.

In den letzten Monaten sind die Seitenaufrufe und auch die Tantiemen bei Suite101 massiv eingebrochen. Getroffen hat das vor allem die Autoren, die vorher einen guten Verdienst hatten. Ich habe es ehrlich gesagt kaum gemerkt, weil diese Seite für mich zu keinem Zeitpunkt primär eine Einnahmequelle, sondern immer eine Schreibplattform war.

Zusammen mit dem geheimnisvollen Schweigen, in das die Redaktion sich bezüglich der weiteren Entwicklungen der Plattform gerne hüllte, hat der Einbruch der Tantiemen für viel Unsicherheit und Skepsis unter den Autoren gesorgt.Nun wurde die Katze aus dem Sack gelassen: Suite101 strukturiert sich um, es wird keine internationalen Standorte mehr geben (das Mutterunternehmen sitzt in Kanada), und somit wird auch die Redaktion in Berlin geschlossen, und alle beschäftigten Redakteure werden entlassen.

Konkret scheint das zu bedeuten, dass es in Zukunft keine redaktionelle Kontrolle der Artikel mehr geben wird – und auch keine Betreuung.

Ich finde das schade, aber mir kommt gerade zugute, dass ich schon lange nur noch auf Sparflamme für Suite101 geschrieben habe, und das wird wohl auch so bleiben.

Ich werde in Zukunft stattdessen mehr Energie dafür verwenden, meine Artikel hier auf meinem eigenen Blog zu veröffentlichen. Dafür gibt es dann keine Tantiemen, aber das ist mir relativ egal. Es wird sich also im Grunde nicht viel ändern, nur dass ich eben nicht mehr einfach auf meine Suite-Artikel verlinke, sondern sie direkt hier im Blog veröffentliche. Es ist und bleibt schließlich mein Perú-Blog, und ich hoffe, dass ich im Dezember – wenn der Schreibwahnsinn des Novembers sich gelegt hat – wieder mehr über dort drüben berichten kann.

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[NaNo] Heiliger Holunder!

Heute ist es an der Zeit, einmal ein paar Zahlen in den Raum zu werfen.

Als allererstes: 6.893.

So viele Wörter habe ich im Schnitt täglich seit Anfang November geschrieben, was dazu geführt hat, dass ich jetzt – am 16. November – bei insgesamt 110.296 Wörtern stehe und der Roman damit fertig ist. (Wer es wissen will: Das entspricht 453 Normseiten, also Seiten à 30 Zeilen mit 60 Anschlägen pro Zeile.)

Das Wort »Gurkensalat« kommt nur sechsmal im gesamten Text vor.

Der Projektthread im Tintenzirkel, in dem ich die Kurzhandlung sowie kleine »Schnipsel« aus dem Roman gepostet habe, hat mittlerweile 843 Antworten (zum Vergleich: meine »Kondorkinder« 2010 hatten etwa 30) und ist 3.838mal aufgerufen worden.

Rufus

Es wirkten außerdem mit: Eine nicht unerhebliche Menge an Tiefkühlpizza, einige Kannen Ingwertee, mehrere gut gekühlte Zweiliterflaschen mit einem bekannten koffeinhaltigen Erfrischungsgetränk, sehr wenig Schlaf und Rufus in persona (siehe Bild). Und nein, ich weiß auch nicht, was ich in der Zeit sonst noch gemacht habe*

Pünktlich am 11.11. 2011 hat mein Blog die magische 10.000-Besucher-Grenze überschritten, und ich war zwar nicht zu beschäftigt, um es zu bemerken, habe dann aber doch keinen Blogeintrag dazu verfasst, weil mein NaNo-Wordcount darunter gelitten hätte.

Wie geht es jetzt weiter?

Nun, zuerst werde ich die Tür mit der Aufschrift Normales soziales Leben suchen und schauen, dass ich sie wieder aufbekomme. Ich werde mein Handy irgendwie hinter dem Kühlschrank hervorbekommen, das Telefon wieder einstöpseln und den CCK** drastisch herunterfahren.

Dann werde ich »Rufus« überarbeiten und Testleser mit ihm quälen erfreuen.

Ich hoffe – wie viele andere -, dass im Frühjahr 2012 wieder ein bestimmter Romanwettbewerb ausgeschrieben wird. Und da darf der kleine Kojote dann hin. Das hat er selbst schon lange vor mir schon beschlossen. Dann wollen wir ihn mal lassen.

Oh, und was den Titel dieses Posts betrifft: Das ist ein Originalzitat von Pip, meinem verrückten Huhn. Mir ist jetzt schon von mehreren Leuten bestätigt worden, dass der Ausruf es in ihren allgemeinen Sprachgebrauch geschafft hat. Was soll man da noch sagen? Heiliger Holunder!

* Ich glaube, ich war ab und zu mal auf Toilette.
**Caramell-Capuccino-Konsum

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