Der März wird ein extrem arbeitsamer und trubeliger Monat. Ich habe Deadlines – eine kleine Hausarbeit, ein wissenschaftlicher Artikel –, werde in der nächsten Woche fröhlich auf der Leipziger Buchmesse herumhüpfen und habe mir größenwahnsinnig vorgenommen, meinen aktuellen Roman – Codewort »Mahagoni«, und die Geschichte dazu erzähle ich euch ein andermal – bis Ende März in der Rohfassung fertigzustellen.

Trotz all dieses Workloads habe ich den März mit einem Kurztrip nach Stuttgart begonnen. Dort fand in den letzten Tagen das Symposium »New Perspectives on the Inca« statt, und das auch nicht ganz grundlos, denn parallel läuft im Stuttgarter Linden-Museum noch bis zum 16. März die Ausstellung »Inka – Könige der Anden«. Und wenn ihr irgendwie dort in der Nähe seid und es einrichten könnt, möchte ich euch diese Ausstellung allerwärmstens ans Herz legen. Die letzten Ausstellungen dieser Art, die mich so richtig ins Schwärmen gebracht haben, waren die »Teotihuacan«-Ausstellung 2010 (mein Gott, ist das echt schon vier Jahre her?) und die »Azteken«-Ausstellung 2003 (2003? 2003?! Hilfe, ich bin alt!), beide im Berliner Gropius-Bau.

Eine umfassende Ausstellung über die Inka

Das Besondere an der Inka-Ausstellung in Stuttgart ist, dass es vorher auf europäischem Boden noch keine Ausstellung gab, die ihren Fokus wirklich rein auf die Inka gelegt hat. Ich erinnere mich zwar an die Inkagold-Ausstellung in Leipzig 2005 (langsam fühle ich mich wie ein Ausstellungsfreak – oder eher wie eine waschechte Altamerikanistin?), aber die Stücke dort stammten erstens wohl nur aus einer einzigen privaten Sammlung in Lima, zweitens umfassten sie zahlreiche Objekte aus der Zeit vor den Inka … und drittens waren sie eher mittelprächtig präsentiert, ich bin damals mit einer gewissen Enttäuschung aus der Ausstellung gegangen.

Die Inka-Ausstellung im Linden-Museum zeigt hingegen Objekte (nicht nur Gold, natürlich) sowohl aus der eigenen Sammlung als auch einer Vielzahl internationaler Museen. »Unsere« Altamerika-Sammlung in Bonn hat genauso Stücke beigesteuert wie »mein« Ethnologisches Museum Berlin (mein Lokalpatriotismus treibt seltsame Blüten, ich weiß – aber ich habe in der Altamerika-Abteilung des Berliner Museums als Guide gearbeitet und entzückt aufgejauchzt, als ich in einer Stuttgarter Vitrine ein paar Lama-Figuren entdeckte, die ich direkt erkannt habe!) sowie die renommierten Museen Limas, das British Museum London und viele andere.

Knotenbotschaften knüpfen und Alpakawolle ertasten

Die Ausstellung hat dabei eine wirklich angenehme Größe und ist gut strukturiert. Was mir persönlich sehr gut gefallen hat (auch wenn ich nicht mehr die Zielgruppe sein dürfte), waren die eingebundenen Ideen, um sie auch für Kinder interessant zu machen. Die Figur eines kleinen Chaskis (ein Botenläufer der Inka) mit wollener Mütze (ch‘ullu) führte mit kindgerechten Erklärungen durch den Rundgang, und es gab dann zum Beispiel die Möglichkeit, den Unterschied zwischen Alpaka- und Schafswolle zu ertasten oder tocapus, typische inkaische Muster, auf Papier zu stempeln und dann mit nach Hause zu nehmen.

Daneben gab es natürlich auch Informationstexte für die erwachsenen Besucher auf Deutsch und Englisch, in einer recht angenehmen Länge, und zusätzlich zu den Exponaten wirklich gute Veranschaulichungen bestimmter Dinge: zum Beispiel einen zeitlichen Überblick, der Ereignisse und Entwicklungen im Andenraum mit denen der Alten Welt in Verbindung brachte, einen großen Stadtplan des inkaischen Cuscos oder ein Modell von Machu Picchu.

»Inka – Könige der Anden«: Die erfolgreichste Ausstellung des Linden-Museums in Stuttgart

Als Konferenzteilnehmerin durfte ich mehrmals in die Ausstellung und habe das auch gründlich ausgenutzt und mir möglichst viel notiert. Natürlich kam zwischendurch die Altamerikanistin in mir durch und fragte bei den Infotexten: Woher wissen wir das? Wer behauptet das? Wo kann ich das nachlesen?, aber ganz ehrlich, insgesamt hätte ich die gesamte Ausstellung am liebsten zusammengefaltet und mit nach Hause genommen. Ein Stück weit habe ich das tatsächlich getan, indem ich mir den wirklich tollen Katalog gegönnt habe, in dem ich immer wieder mit leuchtenden Augen blättere. Und einmal mehr glücklich bin, dass ich mich tatsächlich für das Studium der Altamerikanistik entschieden habe und auf diese Weise so vielen spannenden Fragen und Themen noch genauer auf den Grund gehen kann.

Die Ausstellung lohnt sich also, und sie ist wohl die bislang erfolgreichste Ausstellung des Stuttgarter Linden-Museums – was man an dem Besucherandrang eindeutig merkt. Nächsten Samstag (15.3.) ist Lange Nacht der Museen in Stuttgart, da wird es sicherlich noch einmal voll, und die Veranstalter rechnen mit stolzen Zahlen. Wo die Ausstellung danach hinwandert, habe ich bislang noch nicht herausgefunden, im Zweifelsfall lohnt sich aber die Fahrt nach Stuttgart. Das war definitiv eine tolle Museumserfahrung.

Infos: www.lindenmuseum.de/inka

Öffnungszeiten laut Museumsseite:
Dienstag: 10 bis 18 Uhr
Mittwoch: 10 bis 20 Uhr
Donnerstag bis Sonntag (+ Feiertage): 10 bis 18 Uhr
Montag geschlossen

Sonderöffnungszeiten vom 11.3. bis 16.3.: jeweils von 10-20 Uhr

Eintrittspreise: 12, ermäßigt 10 €; für die Lange Nacht der Museen 17 €