Leipziger Buchmesse, FeenCon, BuCon – die verschiedenen Buchmessen und Conventions haben längst Einzug in meinen Kalender gehalten und strukturieren mein Jahr. Was bisher unerklärlicherweise fehlte, war eine entsprechende Veranstaltung in Berlin. Da wir in Berlin aber bekanntlich alles können außer S-Bahn, Fußball und Flughafen, war es nur eine Frage der Zeit, bis jemand eine eigene Berliner Buchmesse aus der Taufe heben würde. Und genau das ist nun endlich geschehen: Am 15./16. November öffnete die »Buch Berlin« in den Räumen der HTW (Hochschule für Technik und Wirtschaft) in Karlshorst ihre Pforten. Vielleicht nicht unbedingt der zentralste und literaturträchtigste Ort Berlins, aber hey, nach Dreieich kommen auch alle irgendwie, und vor der HTW gibt es immerhin eine Straßenbahnhaltestelle!

Buch Berlin

Buch Berlin

Konzept der Buch Berlin: Kleine Verlage aus ganz Deutschland und Österreich, die Chance auf unentdeckte Schmöker-Schätze und eine Reihe von Lesungen. Besonders sympathisch die Idee, dass es eine Messe für alle sein soll: für Aussteller machbar durch günstige Standgebühren, für Besucher durch den sehr günstigen Eintrittspreis (2,50 € für Erwachsene, kostenfrei für Kinder, Schüler und Studenten). Das klang schon im Vorfeld gut, und mich hat es darum besonders gefreut, dass sowohl viele meiner Autorenkolleginnen und -kollegen als auch mir sehr liebgewordene Kleinverlage die Gelegenheit nutzen wollten, an der Buch Berlin am Start zu sein. Es fühlte sich für mich ein klein wenig danach an, selbst Gastgeber zu sein, und ich war entsprechend gespannt, ob das Konzept der jungen Buchmesse aufgehen würde.

Auf dem Weg ins Audimax der HTW besichtigte ich erst einmal das sehr sehenswerte Hauptgebäude der Hochschule. Die Treppen hinauf zur zentralen Aula sowie links hinten wieder nach unten sind wirklich … beeindruckend. Total toll. Fast schon allein die Anfahrt wert. Und neiiin, mein Herumgeistern im Hauptgebäude hat rein gar nichts mit einer zunächst mauen Ausschilderung zu tun, ich kenn mich doch aus, ick bin schließlich von hier, wa?

Nun ja, schließlich kam ich doch noch im richtigen Gebäude und im Audimax an. Was soll ich sagen: Ein tolles Ambiente und reger Andrang von Besuchern, die mit dem festen Vorsatz gekommen waren, Bücher zu kaufen, Autoren zu treffen und Lesungen zu lauschen. Ich hatte selbst nichts zum Verkauf dabei, bekam aber an den Ständen ringsum mit, dass es wirklich gut lief – und irgendwie waren da so viele Anthologien mit Geschichten von mir verteilt, dass ich doch wieder ständig nach meinem Signierstift kramen durfte. Und die Veranstalter meldeten bereits am Samstagnachmittag gut 500 Besucher – und da ging es gerade erst richtig los! Insgesamt sollen es rund 1.300 Besucher gewesen sein.

Während ich in den Tagen zuvor noch etwas traurig war, dass es mit einer Lesung auf der Buch Berlin nicht geklappt hatte, verwandelte sich das Gefühl beim Betreten des Audimax in dezente Erleichterung. Die Organisation der Lesebühne ist aus meiner Sicht das einzige größere Manko an dieser Veranstaltung: Lediglich ein paar Trennwände grenzten den Lesungs- vom Ausstellerbereich ab, die lesenden Autoren kämpften beständig gegen den Bienenstock der Besuchermassen und auf letztere regneten pausenlos die Lesungsbrocken aus dem Mikrofon – etwas anstrengend für alle Beteiligten. Ein oder zwei Extra-Räume, um die Lesungen in ruhigerem Ambiente stattfinden zu lassen, wären vielleicht eine Überlegung für nächstes Jahr wert.

Autorin mit Alpaka hat Spaß. (Foto: Hanna Nolden)

Autorin mit Alpaka hat Spaß. (Foto: Hanna Nolden)

Für mich persönlich war die Buch Berlin aber auch ohne eigene Lesung und Bücherverkauf ein riesiger Erfolg. Auf der einen Seite natürlich, weil ich so viele bekannte Gesichter wiedersehen und neue kennenlernen durfte. Highlights: Plaudern am Gemeinschaftsstand, an dem u.a. meine lieben Autorenkollegen Ann-Kathrin Karschnick, Janika Hoffmann, Hanna Nolden, Markus Heitkamp und Yalda Lewin vertreten waren (um nur einige zu nennen); Kommunikation zwischen Zwiebel und Cthulhu am Verlagsstand ohneohren; Foto-Shooting mit Covernachstellen beim Art Skript Phantastik Verlag; gegenseitiges Flyer-Signieren am Stand der Weltenschmiede mit Autorenkollegin Swantje Berndt; schamloser Buttonkauf (»Das liegt außerhalb meines subjektiven Relevanzkorridors!«); skrupelloses Stuhl-Okkupieren beim Verlag Torsten Low; Schreibsession auf der Treppe vor dem Saal; die samstägliche Lesung von Yalda Lewin; ein gelungenes Abendessen in Friedrichshain mit Darth Vader auf der Toilette, Bananen-Witzen und Weißbrot, das keines war. Plus die tollen Begegnungen und Gespräche mit lieben Leuten, die ich vorher nur virtuell kannte; die Übergabe von Kreativkaktus Karl. Oh, und natürlich Schnaps und Quietsche-Entchen beim Amrûn-Verlag. Vanille-Mandarine und heiliger Holunder!

Was habe ich noch so angestellt: Ich durfte ein kleines Interview geben, Pläne für Lesungen schmieden, ein verrücktes Anthologieprojekt mit einem tollen Autorenkollegen planen, den Vertrag für meine Teilnahme an einem farbenfrohen Geheimprojekt unterschreiben, Werbeideen für einen Roman im kommenden Jahr sammeln (wenn das klappt, wird es hochprozentig lecker) und, und, und. Es floss viel Tee, Kaffee und Likör. Es gab jede Menge Alberei, Lachen und eben genau das »Zuhause im Kreis meiner lieben Mit-Verrückten«-Gefühl, das jede gute Con auszeichnet.

Als ich am Sonntagabend das heimatliche Bett ins Zentrum meines subjektiven Relevanzkorridors rückte, war ich gleichermaßen erschöpft wie zufrieden, und am Montag folgte der übliche Nach-Messe-Blues, der aber auch zeigt: Die 1. Buch Berlin war toll, gut besucht und super organisiert. Nächstes Jahr gerne wieder – das darf und soll ein fester Punkt in meinem persönlichen Veranstaltungskalender werden. Danke, danke, danke an alle, die ich an diesem Wochenende treffen durfte, für tolle Gespräche, Auffüllen der Kreativ-Akkus und gemeinsames Lachen. Und ganz ehrlich, Berlin: Was brauchen wir einen Flughafen, wenn wir eine Buchmesse haben können?