Das Schönste an Plänen ist doch, dass man sie in letzter Sekunde umwerfen kann.

Seit Monaten freue ich mich auf den November und den NaNoWriMo – und war bis vor wenigen Wochen ratlos, was ich denn schreiben sollte. Dann lief mir ein Projekt zu, und ich war überzeugt, das würde es sein. Wie gemacht für den November und mit allem, woran mein Herz Freude hat: Ein kommunistisch veranlagter Conquistador und ein selbstverliebter Aztekenprinz landen zur Zeit der Eroberung im aztekischen Totenreich und müssen sich für ein Ballspiel gegen die mythischen Heldenzwillinge zusammenraufen.

Die Figuren sind mir in den vergangenen Wochen sehr ans Herz gewachsen. Der Plot ist jenseits der Grundidee nur wenig gediehen – was ich vor allem auf den Stress rund um meinen Umzug und meine anderen Deadlines geschoben habe.

Gestern haben mich dann massive Zweifel überfallen. Ein anderes Projekt zupfte plötzlich mit Nachdruck an meinem Ärmel, und es war nicht einmal ein neues: Der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch an meine »Feuerschwingen« aus dem vergangenen Jahr. Dass die eine Fortsetzung bekommen wollen, weiß ich schon länger, aber bislang war ich der Meinung, das brauche noch Zeit.

Manco und Gonzalo haben mir sehr nachdrücklich bewiesen, dass sie es anders sehen. Insbesondere Gonzalo, mein fluchender Iberer, schreckte nicht davor zurück, als Herbststurm über Europa zu toben, damit ich ihm auch ja meine Aufmerksamkeit widme. Botschaft angekommen, ich stürzte mich gestern ins Grübeln.

Und obwohl ich mir die Entscheidung nicht leichtgemacht habe, ist sie nun gefallen.

Entscheidungblog Meine Ballspielergeschichte wird geschrieben – aber nicht im NaNo. Ich hänge zu sehr an den Figuren und der Idee, als dass ich das Projekt aufgeben würde, doch mittlerweile weiß ich, dass meine Zweifel ihre Berechtigung hatten: Es fehlte noch zuviel an Handlungsstruktur, und um die zu bekommen, bräuchte ich mehr Zeit für Recherche und Quellenlektüre. Aztekische und Maya-Mythologie bieten wundervolle Inspirationen, aber die hätte ich nicht einmal ansatzweise ausschöpfen können, wäre ich das Projekt jetzt im November angegangen.

Für meine »Feuerschwingen« hingegen trage ich seit einem halben Jahr erste Plotfetzen und Szenen mit mir herum. Da sind auch gravierende Lücken, aber die lassen sich füllen – und ich freue mich diebisch darauf, es zu tun. Während mein Kopfkino beim Aztekenprojekt meist im Ruhezustand blieb, wenn ich nicht selbst aktiv auf ein Knöpfchen drückte, rattert es bei den »Feuerschwingen« im Alleingang, seit die Entscheidung getroffen ist. Neue Figuren geben sich die Klinke in die Hand. Szenen ploppen auf. Die Vorfreude auf ein Wiedersehen mit meinen zänkischen Jungs kribbelt. Und was an Plot noch aussteht, fühlt sich nicht nach einem weiteren Punkt auf meiner To-Do-Liste an, sondern nach etwas, das ich kaum erwarten kann.

Mit anderen Worten: Alles ist so, wie es vor dem NaNo sein sollte. Mein Dank geht an alle, die mich gestern bei meinem Jammern, Zweifeln und Zaudern unterstützt, beraten und mir zugehört haben. Und ja, ich hoffe auch, dass das Wetter besser wird, nachdem Gonzalo nun seinen stürmischen Kopf durchgesetzt hat …

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