Milonga1_kleiner Am morgigen Freitag ist es endlich soweit: Im Weltenschmiede-Verlag erscheint der erste Teil meiner eBook-Serie »Milonga!«. Das Genre nenne ich liebevoll Tango-Steampunk – doch was steckt dahinter, und worum geht’s?

Ein Hauch von Steampunk

Steampunk ist den meisten sicher ein Begriff. Eine ganz klare Definition, die ihn komplett erfasst, kann ich hier nicht geben, aber die Idee dahinter ist grob gesagt: Unsere Vergangenheit hat sich anders entwickelt, als es tatsächlich geschehen ist; zugleich werden auf dieser Grundlage sehr fortschrittliche Erfindungen gemacht. Eine schöne Bezeichnung, über die ich dazu einmal gestolpert bin, umriss das Ganze sinngemäß als »Science Fiction im Retro-Look«. Neben den Technologien spielen das historische Flair und der Zeitgeist eine Rolle; klassischerweise sind Steampunk-Welten an das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert angelehnt. Forscherdrang und Erfindergeist, die Sehnsucht nach Abenteuern und Entdeckungen, alles das spiegelt sich in glattpolierten Kupferkesseln. Ein Hauch von Jules Verne.

England, Frankreich, überhaupt Europa sind die ganz klassischen Schauplätze. Doch »Milonga!« spielt in Südamerika und ist der Versuch, Grundidee und -stimmung des Steampunk dorthin zu übertragen.

Flyer1 Dampfkraft und Zahnradmechanik: Ein alternatives Südamerika

Die Grenzen in diesem punkigen Südamerika verlaufen anders als auf unseren Karten, viele Länder tragen andere Namen. Argentinien, in dem die Reise starten wird, heißt im Milonga-Kosmos Silberföderation und ist deutlich kleiner als sein realistisches Gegenstück, denn Patagonien ist hier eine eigenständige Republik geworden. Überhaupt hat sich vieles anders entwickelt, als wir es kennen. Hoch in den Anden behaupten noch immer die Inka ein streng abgeschottetes Territorium; nicht alle Kolonien haben den Weg der Unabhängigkeit gewählt; die Jesuiten sind nie vertrieben worden.

Dampfkraft und Zahnradmechanik bestimmen das Bild: Neben interkontinentalen Eisenbahnstrecken gibt es auch Luftschifflinien, welche die gewaltigen Entfernungen Südamerikas überbrücken. Wer welche Technologien nutzt, ist jedoch auch wieder eine Frage der Ressourcen und ihrer Zugänglichkeit – und somit letztlich eine Frage der Macht.

Wo Wasser im Überfluss vorhanden ist, florieren Wunderwerke der Dampfkraft; in trockenen Gebieten setzt man dagegen auf komplexe Uhrwerke und Zahnradsysteme. Die Bewohner der städtischen Armenviertel improvisieren diese aus Schrott und Abfall, die Inka haben ihre Tradition der Goldschmiedekunst perfektioniert, um unendlich filigrane Zahnräder zu erschaffen. Es wird gemunkelt, dass auch Magie noch hier und da eine Rolle spielt. Und auf einem Kontinent, der auch in dieser alternativen Geschichte grundlegend von Eroberung, Gewalt und Ungleichheit geprägt ist, stellt Wissen eine ganz besondere Ressource dar und wird eifersüchtig gehütet.

Tango, Freiheit und Untergrund: Das düstere Buenos Aires

08 - Samstag Die erste Episode führt uns nach Buenos Aires. Während sich die Stadt nach außen hin als fortschrittlich und weltoffen präsentiert, verläuft der tatsächliche Alltag ihrer Bewohner im Schatten einer unerbittlichen Militärregierung. Die Geheimpolizei Mazorca wacht darüber, dass niemand zu offensichtlich von Freiheit träumt. Der Privatbesitz von Luftschiffen beispielsweise ist strikt verboten. Und Tango, diese leidenschaftliche und rebellische Musik, die in dieser Zeit gerade zum Blühen kommt, ist der Mazorca ganz besonders ein Dorn im Auge – weswegen der Tango ein Dasein im Untergrund führt. (Zufall, dass mir gerade jetzt der Underground Tango von Goran Bregovic in den Sinn kommt?)

In diesem erdrückenden Umfeld findet der Kaufmannssohn Ezequiel auf einem Schrottplatz einen besonderen Schatz: eine nahezu unversehrte historische Luftkaravelle, ein Schiff, mit dem einst die ersten Conquistadoren und Missionare das Land erkundet haben. Eigentlich dürfte Ezequiel keinen zweiten Gedanken an diesen Fund verschwenden. Doch aus einem rebellischen Funken heraus beschließt er, trotz aller Gefahren das Schiff wieder flugtauglich zu machen. Er tauft es auf den Namen Milonga – nicht von ungefähr. Für seine riskante Mission wird er Verbündete brauchen. Aber lassen sich diese finden? Und werden seine Pläne der Geheimpolizei tatsächlich verborgen bleiben?