… und eigentlich geht es hier um keinen von beiden, sondern um Tunas. Bis vor anderthalb Jahren war das Wort tuna für mich lediglich mit dem englischen Wort für Thunfisch und mit der saftigen, äußerst schmackhaften Kaktusfeige verknüpft. Dann hockte ich eines Tages mit Paola und einigen Freunden zusammen und bekam zu hören: »Also, der Ricardo, das ist ein tuno. Weißt du, was das ist?«

Ich wusste es nicht. Ich kannte nur tuna – die Kaktusfeige. Und um irgendwas zu sagen, machte ich unbarmherzig Grammatik und schlug vor: »¿El macho de la tuna?« (Das Tuna-Männchen?) War es natürlich nicht, wobei der Beiname dem armen Kerl bis heute geblieben ist (und ich bin mir beinahe sicher, dass er mir das nicht verziehen hat). Ein tuno ist jedenfalls in Wahrheit das Mitglied einer Tuna und was das genau ist, erklärt Wikipedia überraschend gut.

Tuna in Arequipa

Tuna in Arequipa

Heute Abend gab es in Arequipa ein internationales Tuna-Treffen – Gruppierungen aus ganz Perú, aus Bolivien, Chile, Ecuador und was weiß ich woher. Und alles fand unter freiem Himmel statt im Viertel San Lázaro, das älteste Viertel von Arequipa – schmale, leicht verwinkelte Gassen, alles im charakteristischen weißen Vulkangestein Arequipas. Mir ist heute auch zum ersten Mal aufgefallen, dass ich bisher noch nie durch diese Gassen spaziert bin.

San Lázaro

San Lázaro

Vor meiner Haustür kann ich ein combi nehmen, das mich direkt am Eingang zu San Lázaro absetzt. Es herrscht reges Treiben. Nicht nur die Leute, die hier auf ihre combis warten. Hin und wieder spaziert ein Polizist vorbei und tut autoritär: »Señores, bitte gehen Sie weiter, die Haltestelle ist weiter oben.« Er erntet im besten Fall beiläufiges Nicken – wenn ihn überhaupt jemand beachtet. Straßenverkäuferinnen bieten karamelisierte Äpfel und Erdbeeren in Schokoladenhülle an, eine Frau schiebt gewürzte Rinderherzen auf Metallspieße, die sie später auf ein Grillrost legen und als anticuchos (hm, lecker!) verkaufen wird. Neben mir erklärt ein Mann seinem kleinen Sohn: »Y aquí nació Arequipa, und hier wurde Arequipa geboren.«

Hier wurde Arequipa geboren ...

Hier wurde Arequipa geboren ...

Meine Befürchtungen, den Ort der Veranstaltung nicht zu finden (»in San Lázaro« erschien mir zu vage), zerstreuen sich auf Anhieb, denn die tunos sind überall. Am Eingang in die verwinkelten Gassen steht immer mindestens eine Tuna und spielt – beschwingte Musik, die teilweise sehr spanisch klingt, teilweise an Mariachi-Rhythmen erinnert. Und die Leute sind voll dabei. Ich sehe ältere, vornehme Damen nicht nur im Takt klatschen, sondern sich auf Anweisung der Sänger auch brav um die eigene Achse drehen.

Publikum

Publikum

Aber die Tuna ist längst nicht nur der großmütterlichen Generation vorbehalten. Das Publikum, das sich in die von matten Laternen erleuchteten Gassen San Lázaros schiebt und um die einzelnen Tunas schart, ist bunt gemischt, und auch viele Jugendliche und Kinder sind mit ehrlicher Begeisterung dabei. Und die Musik hat etwas, prägt sich ein und reißt mit. Heute Mittag auf der Plaza habe ich mich noch gefragt, warum alle so wild darauf waren, ein Foto mit den posierenden tunos zu bekommen; langsam verstehe ich es.

Und noch einmal San Lázaro

Und noch einmal San Lázaro

Alles in allem könnte die Szenerie nicht besser gewählt sein. Die Bewohner von San Lázaro verfolgen von Fenstern und Türen aus das Spektakel, bieten anticuchos und heiße Getränke feil. Wer einen besonders schönen Innenhof oder eine kleine Kapelle zu bieten hat, der hat die Türen geöffnet und das Innere erleuchtet: der Weg durch San Lázaro ist ein Spaziergang durch ein Schatzkästchen. Es ist eine milde, sternenklare Nacht, und von jeder Ecke ertönt Musik, bis man auf dem großen Platz ankommt, auf dem die tunos auch eine Bühne haben, und so viel Publikum, dass man kaum vorankommt.

Ich habe Süßzeug und Anticuchos gegessen, Fotos gemacht und beschlossen, dass ich noch einmal tagsüber nach San Lázaro muss. Dann sind zwar die Türen geschlossen und keine Tunas da – aber schön ist es bestimmt trotzdem. Para mí, la palabra tuna se refería simplemente a la fruta tan rica que se vende en las calles de Arequipa. Hasta que un día mis amigos me comentaron que uno de ellos era un tuno, y me preguntaron si sabía qué era eso.

Por supuesto, no lo sabía, pero siguiendo la lógica inclemente de la gramática, propuse: »¿El macho de la tuna?« Según sé, el apodo le ha quedado al pobre hasta hoy día, y estoy casi segura que nunca me lo ha perdonado. Ahora bien, ya aprendí que tunos y tunas son otra cosa.

Tuna in Arequipa

Tuna in Arequipa

Esta noche había en Arequipa un encuentro internacional de tunas, grupos de todo el Perú, de Bolivia, Chile, Ecuador y no sé de dónde más. Y todo al aire libre, en el barrio de San Lázaro, si estoy bien enterada, el más antiguo de Arequipa, muy pintoresco con sus casas y callejones de sillar. Recién me he dado cuenta que en todas mis visitas a Arequipa, nunca pasé por este barrio.

San Lázaro

San Lázaro

Por mi casa pasa una combi que me lleva directamente a la entrada del barrio. Hay mucha gente. De vez en cuando pasa un policía: – Señores, vayan subiendo, la parada es más arriba.
Algunas personas asienten, la mayoría no le hace ni caso.
Ambulantes están vendiendo manzanas y fresas cubiertas de chocolate, una mujer va preparando sus anticuchos. Un hombre pasa por mi lado, explicándole a su hijito: – Y aquí nació Arequipa.

Hier wurde Arequipa geboren ...

Hier wurde Arequipa geboren ...

He temido no encontrar el lugar del evento, puesto que „en San Lázaro“ parecía una indicación media borrosa. Sin embargo, no es posible perderse, los tunos están por todas partes, tocando su música. Y la gente se deja llevar. Veo a señoras ancianas, obviamente muy educadas y decentes, que no sólo van dando palmas sino que también se dan vueltitas según les indica el cantante.

Publikum

Publikum

Pero la tuna no es solamente de los ancianos. En el público, veo de todo; también hay muchos jóvenes y niños con entusiasmo sincero. La música tiene lo suyo, mueve, se pega. Hoy al mediodía vimos tunos en la Plaza de Armas y yo me pregunté por qué todo el mundo se quería tomar una foto con ellos; ahora, poco a poco, empiezo a entender.

Und noch einmal San Lázaro

Und noch einmal San Lázaro

El escenario no podría ser mejor elegido. Los habitantes de San Lázaro miran el espectáculo desde sus balcones, ventanas y puertas, vendiendo anticuchos o bebidas. Los que tienen un patio especialmente bello, o de repente una pequeña capilla, han abierto sus puertas: el paseo por San Lázaro es recorrer una caja de tesoros. La noche es tibia y estrellada, y hay música por todas partes, hasta llegar a la plaza, donde hay un escenario y tanta gente asistiendo que apenas se puede avanzar.

He comido dulces y anticuchos, y decidido que tendré que regresar a San Lázaro de día. No habrá tunas ni puertas abiertas, pero seguro que será igual de lindo.