Februar ist Regenzeit.

In Arequipa war darauf in der Vergangenheit nicht in allen Jahren Verlass. Als ich 2010 meine Semesterferien in der Weißen Stadt verbrachte, hatte ich strahlenden Sonnenschein, schlimmstenfalls ein paar Wölkchen am Nachmittag – für mich aus der deutschen Kälte Kommende natürlich herrlich, für die Landwirte eher bedenklich. Die Staudämme sollten in jenem Jahr wohl nicht einmal zur Hälfte gefüllt sein. Und 2011 erlebte Arequipa zwar sintflutartige Regenfälle, aber die hörten auf, als ich – pünktlich zu den carnavales – in der Stadt eintraf.

Das Klima wandelt sich, der Regen kommt nicht mehr mit der gleichen Verlässlichkeit wie früher. Noch 2008, als ich in Arequipa studierte, erlebte ich ein relativ normales Regenjahr. Normal hieß: Am frühen Nachmittag begann es in Strömen zu gießen. Doof für mich, denn ich musste genau dann in die Uni, und das hieß: Zu Fuß den Berg hoch und den Wassermassen entgegen.

Das Resultat war dann immer, dass ich mit nassen Füßen und tropfenden Hosenbeinen in der Uni ankam (»Oh, du bist wohl auf den Knien hergerutscht?«, sagten meine herzlosen Kommilitonen, die schon seit dem regenfreien Morgen im sicheren Klassenzimmer saßen). Irgendwann machte ich kurzen Prozess und kaufte mir Gummistiefel. Wunderschöne tiefblaue.

Als so ziemlich einzige gringa, die an der Universität unterwegs war, hatte ich ja sowieso immer jede Menge neugierige Blicke im Rücken. Die verdoppelten sich, seitdem ich als »die gestiefelte gringa« auftauchte. Tatsächlich trug niemand Gummistiefel – die sind nichts für anständige Städter, die etwas auf sich halten, sondern bestenfalls etwas für Bauern, die auf dem Feld herumstiefeln (eben). Nun ja, und für gringas, denen einheimische Modekonventionen egal sind, wenn es darum geht, trockenen Fußes die Fakultät zu erreichen.

Den bizarren Höhepunkt erreichte die Gummistiefelaffäre, als ich mich im Büro eines Dozenten einfinden musste, um eine vorgezogene Prüfung zu schreiben. Ich studentisches Nervenbündel wurde dann begrüßt mit: »Oh, Sabrina! Was hast du für wunderschöne blaue Gummistiefel! Wo hast du die gekauft?« Auch die Sekretärin wurde sofort angehalten, einen Blick auf dieses Wunder der Schuhwelt zu werfen. Es war kein Funken Ironie in diesen Sätzen, ich schwöre es.

Ich liebte meine blauen Gummistiefel. Sie sind noch immer irgendwo da drüben und warten auf mich.
Und würden mir dieses Jahr vermutlich herzlich wenig nützen.

Die Regenfälle fallen in dieser Saison besonders heftig aus – in ganz Perú. Infoamazonas gibt einen guten Überblick darüber, wie die Lage in den verschiedenen Landesteilen ist. Bei RPP wurde zu Arequipa bis vorgestern nur gemeldet, dass es im Colca-Tal Erdrutsche gegeben hat und einige Dörfer (in denen ich schon überall war …) von der Außenwelt abgeschnitten waren. Jetzt habe ich hier Fotos gefunden, die Bilder aus der Stadt selbst zeigen. Der kapriziöse Río Chili ist wohl gerade kein Fluss, an dessen Ufern man entlangschlendern möchte, und die Straßen, die da unter Wasser stehen, sind unter anderem auch in Cayma – dem Viertel, in dem ich gewohnt habe.

Immerhin, Menschen sind in Arequipa nicht zu Schaden gekommen, soweit ich die Nachrichtenlage überblicke. Trotzdem machen einen solche Meldungen natürlich nervös. Und mir wird gerade klar, dass dies seit 2008 der erste Februar ist, den ich nicht in Arequipa verbringe. Ob’s daran liegt?

[EDIT] Hier geht es zu einem Überblick der RPP-Meldungen rund um die Hochwasserschäden. In Arequipa ist tatsächlich für 30 Tage der Notstand ausgerufen worden.