Der heutige Artikel ist endlich wieder einmal zweisprachig. Ich habe mir Gedanken zu einer Kontroverse gemacht, die in den vergangenen Tagen Medien und soziale Netzwerke in Peru beherrschte. Auch wenn die Wogen sich wieder geglättet zu haben scheinen, möchte ich diese Gedanken teilen.

Es geht um die Debatte, die durch die chilenische Sendung »Primer Plano« ausgelöst wurde. Deren Macher fielen durch Beleidigungen und Spott gegenüber einem Angehörigen der amazonischen Ethnie Bora beziehungsweise gegenüber den Bora allgemein auf: Sie machten sich über ihn lustig und erklärten, »alle [Bora] seien voller Läuse« (La República, 06.08.2012).

Hintergrund ist eine chilenische Reality-Show, die gerade in einer Bora-Gemeinde im peruanischen Loreto gedreht wird. Loretos Regionalpräsident hat mittlerweile den Rückzug des Teams gefordert, berichtet RPP Noticias:

» … ihr Ausdruck ist ungesittet und verlogen Amazonien gegenüber, es fehlt ihnen an Respekt.« (RPP Noticias, 07.08.2012).

Es steht vollkommen außer Zweifel, dass das Verhalten der Macher von »Primer Plano« inakzeptabel ist und dass es besorgniserregend ist, wenn offener Rassismus eine derart offene und breite Plattform in den Medien erhält. Auch die Reality-Show selbst – eine Art lateinamerikanisches »Dschungelcamp« – ist äußerst fragwürdig, vor allem durch die Art und Weise, wie die Bora dargestellt werden.

Was mich allerdings beschäftigt, sind jedoch vor allem die Reaktionen von peruanischer Seite, die ich in den letzten Tagen über Facebook, Twitter und den Kommentaren zu Online-Artikeln verfolgen konnte.

Positiv ist zunächst zu bemerken, dass es viel Rückendeckung für die Bora gibt, dass viele Kommentare zunächst auf eine Verteidigung der indigenen Würde abzielen. Doch es gibt zwei Details, die meine Besorgnis erregen. Das erste ist perfekt in dieser Karikatur zusammengefasst:

»Señoritos des chilenischen Fernsehens, wieso macht ihr euch über unsere Ethnien lustig?«
»Seht ihr nicht, dass es dafür schon das peruanische Fernsehen gibt?«

Die Idee ist klar. Die beiden Figuren der Karikatur – »Negro Mama« und »Paisana Jacinta« – können hier nicht ausführlich diskutiert werden. Sie sind die vielleicht illustrativste, aber bei weitem nicht die einzige Ausdrucksform von Rassismus im peruanischen Fernsehen und im öffentlichen Raum Perús allgemein. Genauer gesagt: Der Spott gegenüber gewissen ethnischen Gruppen ist eine weit verbreitete Praxis in vielen Bereichen des peruanischen Lebens. Und nicht nur verbreitet, sondern auch akzeptiert und salonfähig. Man sieht es nicht nur im Fernsehen und nicht nur manifestiert im Erfolg von Fernsehprogrammen mit einem solchen Schwerpunkt (Die »India María«-Filme stammen aus Mexiko, genießen aber noch heute eine ziemliche Popularität in Perú). Diese Praxis findet sich auch im Verhalten vieler Menschen. Da ist eine Freundin von mir, die mir vollkommen überzeugt versicherte, die Bewohner eines bestimmten Dorfes in den Hochanden würden alle stinken »wie Alpakas«, oder Perús Ex-Präsident Alan García, der 2009 in Zusammenhang mit den tragischen Vorfällen von Bagua sagte, die Indigenen des Amazonasgebiets seien »keine Bürger erster Klasse«. Oder nehmen wir die beinah vollkommene Abwesenheit von Menschen mit indigenen Zügen in Fernsehen und Werbebotschaften.

All das ist Rassismus. Und es ist interessant zu sehen, wie in vielen Diskussionen, die sich kritisch gegen das chilenische Fernsehen äußern, auch behauptet wird, Figuren wie Paisana Jacinta stellten keine Beleidigung dar (»no representan ofensa«) und seien nicht mit den Vorfällen aus Chile vergleichbar.

Und das bringt uns zum zweiten Detail: Die Reaktionen in den sozialen Netzwerken sind mittlerweile mehr als eine Verteidigung der Bora. Sie sind heftige Attacken und hasserfüllte Kommentare gegen die Chilenen, denen Beleidigung und Todeswünsche an den (virtuellen) Kopf geworfen werden.

Mit anderen Worten: In Reaktion auf einen zutiefst rassistischen Diskurs – den Chiles – gibt es einen weiteren, ebenso rassistischen – vonseiten Perús. Auf den ersten Blick mag man argumentieren können, dass es etwas anderes ist, eine Nation anzugreifen, deren Mitglieder größtenteils Zugang zu Bildung, Information und Massenmedien haben und nicht am Rand der Gesellschaft stehen, wie es bei vielen indigenen Gemeinschaften Perús und anderer Länder der Fall ist.

Gewiss sind die Machtpositionen und der Handlungsspielraum dieser beiden Gruppen – Chilenen und Bora – sehr unterschiedlich. Doch die Dynamik hinter den Diskursen, die sich gegen sie richten, heterogene Gruppen pauschalisieren und voller Verachtung operieren, ist exakt dieselbe. Rassismus wird nicht legitimer, auch nicht wenn er aus der vermeintlichen Verteidigung von seinen Opfern entspringt. Im Gegenteil: Eine Kritik rassistischen Verhaltens, die ihrerseits rassistische Ideologie und Dynamik verwendet, disqualifiziert sich selbst.

Dabei hätte diese Debatte die Chance auf eine ernsthafte Reflexion über Rechte und Würde der indigenen Völker geboten. Man hätte über bloße Attacken und Schuldzuweisungen hinausgehen können, um nach Lösungen und Veränderungen zu suchen. Und – von peruanischer Seite aus – damit nicht im Nachbarland anzufangen, sondern im eigenen.

Die Wahrheit hingegen ist, dass die Hasstiraden sich kaum noch um Belange der Bora oder anderer indigener Völker kümmern. Es geht nur darum, den traditionellen Hass und Rassismus zwischen Perú und Chile weiter zu schüren. Ganz davon abgesehen ist das Programm »Primer Plano« für seine Provokationen bekannt – und wenngleich ich diese auf gar keinen Fall relativieren oder rechtfertigen möchte, glaube ich doch, dass es der falsche Weg ist, diesen Äußerungen soviel Aufmerksamkeit einzuräumen. Es liegt im Wesen solcher Programme, dass sie dadurch keinen Schaden nehmen, sondern genährt werden.

Zu guter Letzt habe ich noch einen wirklich schönen Post auf Facebook gefunden, der mir doch einiges an Hoffnung zurückgegeben hat:

»Nicht alle Peruaner sind gleich. Und nicht alle Chilenen sind gleich. Perú und Chile: Lateinamerikanische Bruderstaaten. Es reicht mit den gegenseitigen Angriffen!«

Es war traurig, viele aggressive und hasserfüllte Kommentare unter diesem Post zu lesen, so intensiv, dass mir zunächst die Worte fehlten. Aber es gibt auch andere, reflektierte. Es gibt Hoffnung auf eine Überwindung von Vorurteilen – in Perú wie in Chile. Aber es bleibt eine Menge Arbeit.

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Quellen:

»And now for something completely different: El Negro Mama and La Paisana Jacinta«

Joven Bora sostiene romance con participante de reality chileno (La República, 02.08.2012)

Amazonas, famosos perdidos en la selva, el polémico reality chileno (La República, 05.08.2012)

Primer Plano, el programa que se burla de la tribu de los bora (La República, 06.08.2012)

Televisión chilena se burla de nativo bora (La República, 07.08.2012)

Equipo de ‚Amazonas, perdidos en la selva‘ fue expulsado de Iquitos (RPP Noticias, 07.08.2012)

El artículo de hoy lo quiero dedicar a una reflexión de algo que últimamente ha tenido mucha presencia en la prensa peruana y las redes sociales. Quizás estoy un poco atrasada, pero en los últimos días no he tenido tiempo para redactar un artículo con el debido cuidado, así que lo hago hoy.

El tema al que me quiero referir es la controversia generada a través de la conducta de un programa de televisión de Chile, »Primer Plano«, cuyos conductores insultaron a un joven de la etnia bora – de la selva peruana – e incluso a toda la etnia bora:

»Los conductores del programa dejaron entrever que Miveco solo sería capaz de entender, cuando se le pregunta, si  le hablan en “idioma peruanito”. Y no fue todo. En un set de televisión, se mofaron de él. “Tendremos a un verdadero Bora, pero lo que no ha salido es que todos están llenos de piojos”, expresaron entre risas.« (La República, 6 de agosto 2012)

Este tratamiento ha dado lugar a críticas y reacciones muy fuertes. El Presidente Regional de Loreto, Iván Vásquez, incluso ha insistido en que el equipo que actualmente está produciendo un reality llamado »Amazonas, perdidos en la selva« en Iquitos, se retire de una vez de la ciudad, según RPP Noticias.

“Es un grupo de 38 personas que están varias semanas, trabajando un reality. Pero quiero aclarar que su expresión es inculta en relación a la amazonía, y mentirosas, que tiene falta de respeto agravante”, precisó. (RPP Noticias, 7 de agosto 2012)

Claro está que la conducta de los conductores chilenos de »Primer Plano« es inaceptable, que es preocupante que el racismo abierto tenga una plataforma pública de este tamaño. También habría que cuestionar bastante al mismo reality que está vinculado a los incidentes:

Nuestros compatriotas aparecen como amables y silenciosos anfitriones de un grupo de personas que discute, se pelea y se queja de todo. Lo ambientaron aquí para darle un toque de ‘reality extremo’ y hasta el eslogan juega con eso: “En la selva no eres un nombre, eres comida”, aludiendo a que en este lugar estás expuesto a fieras y a todo tipo de peligros. Con todo ello, hoy los bora son conocidos en Chile, pero no de manera precisa: en los foros de Internet muchos les dicen ‘bora bora’ y en el primer capítulo el presentador Cristián Sánchez dijo que eran una ‘tribu’ con un pasado vinculado al Ecuador, algo que no es cierto. (La República, 5 de agosto 2012)

Pero en este momento no es todo eso lo que me preocupa, sino las reacciones peruanas que he podido seguir sobre todo a través de Facebook, Twitter y en los comentarios hacia artículos de diarios en línea.

Lo positivo, en primer lugar, ha sido que la mayoría de los comentarios que leí ha salido a la defensa de la dignidad bora. No voy a negar que esto me parece un detalle importante. Pero hay dos detalles más en este debate que me preocupan mucho.

El primero está resumido muy bien en esta caricatura :

La idea es clara. Este no es el momento para discutir a los dos personajes del dibujo, que representan al »Negro Mama« y la »Paisana Jacinta«; ellos quizás son la más ilustrativa, pero no la única representación de racismo en la televisión peruana y el espacio público en general. Insisto: Burlarse de ciertos grupos étnicos es una práctica común en muchos niveles de la vida peruana. Y no sólo común, sino lamentablemente bastante aceptada. No solamente aparece en la televisión, no solamente se manifiesta en el éxito de programas y películas con este enfoque (»La India María« es de México, pero sus películas todavía circulan con bastante popularidad por los mercados peruanos), sino que también la encontramos en la actitud de las personas. Puede ser aquella amiga mía que, con toda seriedad, me dijo que los habitantes de algún pueblo alto-andino apestarían »como alpacas«, o puede ser el ex-presidente de la República, Alan García, quien manifestó en 2009, vinculado a los trágicos sucesos de Bagua, que los indígenas de la Amazonia »no tienen corona, no son ciudadanos de primera clase«. También puede ser la ausencia casi absoluta de personas con rasgos indígenas en televisión y publicidad.

Todo esto es racismo. Y es interesante ver como en las discusiones, muchos de los que critican a la televisión chilena, insisten en que personajes como la Paisana Jacinta »no representan ofensa«, »no se pueden comparar«.

Es más, y llegamos al segundo detalle: Las reacciones que circulan por las redes sociales se han convertido en mucho más que una defensa de la comunidad bora. Más bien se dan ataques y comentarios odiosos hacia los chilenos, se les insulta, se les desea la muerte.

En otras palabras: En reacción a un discurso profundamente racista – del lado de Chile – se ha generado otro discurso igualmente racista – del lado peruano. A primera vista se podría argumentar que es otra cosa atacar a una nación cuyos integrantes en su mayoría tienen acceso a educación, información y medios de comunicación, y no son marginados como en muchos casos ocurre con los miembros de comunidades nativas en el Perú y otros lugares. Es cierto que las posiciones de poder y las capacidades de acción de ambos grupos son distintos. Pero la dinámica detrás de los discursos dirigidos contra ellos, generalizando a todo un grupo heterogéneo y cargado de menosprecio, es exactamente la misma. El racismo no es más legitimado si nace de la supuesta defensa de las víctimas. Todo lo contrario: una crítica al racismo que a su vez emplea dinámicas e ideología racista se descalifica a sí misma.

El debate habría podido ser un chance para reflexionar con seriedad acerca de dignidad y derechos de los pueblos indígenas. Se habría podido ir más allá de ataques y buscar soluciones y cambios – y no empezar en Chile, que es otro capítulo, sino en el mismo Perú.

Pero en verdad, las reacciones desenfrenadas ya no toman en cuenta para nada los asuntos de la comunidad bora ni de ningún otro pueblo indígena. Solo se trata de una ocasión más para cultivar el odio y el racismo que el Perú y el Chile se tienen por tradición. Muy aparte, el programa »Primer Plano« de la televisión chilena es conocido por sus provocaciones. Estoy lejos de querer justificar a ideologías como aquellas promovidas por este programa, pero opino que tampoco hay que darle este espacio, esta atención, pues no lo lastima, sino que lo nutre.

Para llegar al fin, encontré un hermoso post en el facebookque me devolvió las esperanzas:

Es cierto, hubo muchos comentarios agresivos debajo de esta imagen. Muchos que seguían insultando con una intensidad que casi me dejó sin palabras. Pero también otros comentarios con más reflexión. Y creo que nos podemos permitir el lujo de esperar de que de alguna forma en ambos países se consiga trabajar este tema y superar los prejuicios que existen. Pero queda mucho por hacer.

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Fuentes:

»And now for something completely different: El Negro Mama and La Paisana Jacinta«

Joven Bora sostiene romance con participante de reality chileno (La República, 02.08.2012)

Amazonas, famosos perdidos en la selva, el polémico reality chileno (La República, 05.08.2012)

Primer Plano, el programa que se burla de la tribu de los bora (La República, 06.08.2012)

Televisión chilena se burla de nativo bora (La República, 07.08.2012)

Equipo de ‚Amazonas, perdidos en la selva‘ fue expulsado de Iquitos (RPP Noticias, 07.08.2012)